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Call for Papers Ausgabe 6, 2/2022

Sprache, Identität, Lernen

 

Die 6. Ausgabe von k:ON beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Sprache, Identität und Lernen. Dieser Zusammenhang lässt sich aus sozialkonstruktivistischer und postmoderner Perspektive anhand der Verbindungslinien der drei Themenfelder skizzieren.

(1) Identität und Sprache

Identitätsentwicklung und -performanz sind ohne Sprache nicht denkbar. Mead (1932/1979) zufolge erlernen Kinder das Bedeutungs- und Relevanzsystem ihrer Gesellschaft symbol- und sprachvermittelt, und sie lernen dadurch, eigene Haltungen und Positionen sprachlich auszudrücken und mitzuteilen sowie sie reflexiv und distanziert zu betrachten. Durch Aushandlungsprozesse in sozialen Interaktionen entwerfen Personen situations- und adressat*innenangemessene Selbstbilder, die interaktiv verhandelt und modifiziert werden (vgl. Goffman 1967, Schenkein 1978). Dabei spielen Selbst- und Fremdzuschreibungen von Zugehörigkeiten (etwa zu kulturellen/sozialen/institutionellen Gruppen oder zu intersektional bedeutsamen Differenzkategorien wie race, class und gender, vgl. Thein, Beach & Johnston 2017: 69) eine zentrale Rolle. Identität erscheint somit nicht als starre, unveränderliche, mentale Entität. Sie wird vielmehr als plurales, dynamisches Konstrukt begriffen, das gesamtbiographisch durch verschiedene kulturelle, sprachliche, individuelle und soziale Erfahrungen geformt und in verschiedenen interaktiven Zusammenhängen performativ dargestellt wird (vgl. Bucholtz & Hall 2005).

(2) Sprache und Lernen:

Lernprozesse sind genuin sprachlich-interaktiver Natur (vgl. u.a. Schmölzer-Eibinger 2013). Dies ist einerseits in der medialen Mündlichkeit von Lehr-Lern-Interaktion begründet (vgl. u.a. Becker-Mrotzek & Vogt 2009), aber auch in der (medial mündlichen oder schriftlichen) Sprachlichkeit der Lerngegenstände selbst: Die Fächer haben ihre spezifischen Sprech- und Denkweisen; dies äußert sich u.a. in Fachsprachen, der Notwendigkeit des Bildungsspracherwerbs und des Erwerbs entsprechender sprachbezogener Kompetenzen. Lerngegenstände werden aber auch sprachlich-interaktiv konstruiert, sei es in der Interaktion zwischen Lernenden und Lehrenden (vgl. Heller & Morek 2015), oder aber auf Peer-Ebene, in der gemeinsamen Erarbeitung und Nutzbarmachung unterschiedlicher Perspektiven und Wissensbestände (vgl. z.B. Reichert & Liebscher 2012).

(3) Lernen und Identität:

Identitätsbildung ist in unterschiedlicher Konturierung integraler Teil (hoch-)schulischen Lehrens und Lernens: Die Teilhabe an Lehr- und Lernprozessen verändert die Lernenden (vgl. u.a. Spinner 1980/2021, Wortham 2006). In der kognitiven und interaktiven Auseinandersetzung mit den fachlichen Lerngegenständen erwerben sie neue Positionen und Haltungen in Bezug auf sich, andere und die Welt und lernen, dies auszudrücken und (ggf. in Abgrenzung zueinander) zu verhandeln. Dies gilt nicht nur für die schulische Ebene, sondern auch für die hochschulische Ebene der Lehrer*innenausbildung: Auf Grundlage der fachlichen Gegenstände werden Expertisen und mithin professionelle Identitäten konstruiert und ausgehandelt, finden Vergemeinschaftungs- und Professionalisierungsprozesse statt (vgl. Christensson 2018, Sacher et al. 2021).

Der Zusammenhang zwischen Identitätsbildung, fachlichem und sprachlichem Lernen spielt in allen Fächern und Fachdidaktiken eine wichtige Rolle und wird durch gesellschaftlich aktuelle Herausforderungen wie die Auseinandersetzung mit Mehrsprachigkeit, Digitalisierung und Inklusion befördert: In welchem Verhältnis stehen Mehrsprachigkeit, Spracherwerb und Identitätsbildung (vgl. etwa die Beiträge in Allemann-Ghionda et al. 2012 oder in Wildemann & Hoodgarzadeh 2019)? Welche Konsequenzen für das gemeinsame Lehren und Lernen haben (sprachliche) Kategorisierungen von Kindern (vgl. etwa Sturm 2013)? Wie erwerben Lernende die spezifischen Perspektiven eines Faches (vgl. etwa Wood 2013)? Inwiefern kann ein Perspektivenwechsel oder das Konzept des Fremdverstehens als wichtige Ziele (nicht nur) des Fremdsprachenunterrichts zur Konstruktion der eigenen Identität beitragen? Welche Rolle spielen Interaktionen im digitalen Raum bei der Identitätskonstruktion (z. B. hinsichtlich Alter-Egos oder Online-Avatare)? Und was bedeutet dies alles für die Ausbildung angehender Lehrpersonen?

 

Wir freuen uns über Einreichungen, die sich mit Fragen aus dem oben skizzierten Zusammenhang beschäftigen und den zahlreichen Facetten von Sprache, Identität und Lernen Rechnung tragen. Wir laden Sie ein, uns Vorschläge für Erfahrungsberichte, empirische Forschungsberichte, Konzepte und Diskussionen zu schicken, die das Thema der Ausgabe sowohl aus einzelfachlicher als auch aus inter- und transdisziplinärer Perspektive in den Blick nehmen und die vielfältigen Verzahnungen dieses komplexen Feldes aufzeigen, ausdifferenzieren und diskutieren. Wie üblich sind Einreichungen aus allen Bildungsebenen, Schulformen und Fächern willkommen.

Bitte senden Sie uns Ihr maximal 250 Wörter langes Abstract (exklusive Literaturangaben) bis zum 15.03.2022 an kON-Journal[at]uni-koeln.de und ordnen Sie es einem der k:ON-Bereiche zu:

k:ONzepte – Lehrer*innenbildung in der Forschung:

Im theoretisch-empirischen Teil der Zeitschrift stehen Beiträge im Zentrum, in denen die Akteur*innen aus der Lehrer*innenbildung einen analytisch-kritischen Blick auf die Herausforderungen der diversitätsorientierten sprachlichen Bildung in den Fächern der Lehrer*innenbildung werfen.

k:ONkretes – Praxis der Lehrer*innenbildung:

Berichte und Anregungen, wie die oben gestellten Fragen im Kontext von Sprache, Unterricht und Diversität ausgestaltet werden können, sind im unterrichtspraktischen Teil der Zeitschrift zu verorten.

k:ONtraste – Lehrer*innenbildung in der Diskussion:

Im Forumsbereich bietet k:ON die Möglichkeit zur kritischen Diskussion von sprachlicher Bildung in einer ‚Schule der Vielfalt‘ und die damit einhergehenden Konsequenzen für die Lehrer*innenbildung. Autor*innen haben hier die Möglichkeit, sich mit Debattenbeiträgen explizit zu gegenwärtigen Herausforderungen zu positionieren.

Themenunabhängiger Call for Papers für den Bereich k:ONturen – Nachwuchsforum

Eine Besonderheit von k:ON stellt der thematisch offene Bereich des Nachwuchsforums dar. In diesem Teil der Zeitschrift können ausgewählte, herausragende Abschlussarbeiten von Studierenden auf B.A.- und M.Ed.-Niveau sowie Studienprojekte aus dem Praxissemester in Artikelform veröffentlicht werden. Abstracts (ebenfalls max. 250 Wörter) für diesen Bereich können jederzeit bei uns eingereicht werden.

 

Für weitere Informationen besuchen Sie auch unsere Website: www.kon-journal.de

Wir freuen uns auf Ihre Beiträge!

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