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Call for Papers Ausgabe 5, 1/2022

Inklusive Bildung kooperativ implementieren. Lokale, regionale, nationale und internationale Perspektiven

 

Bildung für alle ist seit 2015 auf internationaler Ebene als zentrales Ziel und wichtiger Teil des Sustainable Development Goal 4 der UN-Agenda 2030 formuliert (UNESCO, 2020).  Ein bedeutsamer Katalysator zur Erreichung des Ziels einer inklusiven Bildung für alle sind Kooperationen (vgl. KMK, 2011; Saalfrank & Zierer, 2017). Die fünfte Ausgabe von k:ON nähert sich diesem besonderen Katalysator und konzentriert sich auf die kooperative Umsetzung inklusiver Bildung, die zwischen Institutionen, Gemeinschaften und Disziplinen auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene stattfinden kann.

In der (inter-)nationalen Diskussion werden der Ausbau von Kooperationen zwischen Lehrkräften an allgemeinen Schu-len und Lehrkräften für sonderpädagogische Förderung sowie die Entwicklung interdisziplinärer Zusammenarbeit unter Einbezug weiterer Fachkräfte übereinstimmend als Gelingensfaktor inklusiver Schulentwicklung angesehen (vgl. z. B. McLeskey, Waldron, Spooner & Algozzine, 2014; Lütje-Klose, Neumann, Gorges & Wild, 2018; Vierbuchen & Bartels, 2021). Die Entwicklung und Implementation interdisziplinärer Kooperation scheint allerdings gleichzeitig eine besondere Herausforderung für das deutsche Bildungssystem darzustellen. Grundsätzlich gelten die schulischen Kooperations-strukturen sowohl zwischen Lehrkräften als auch zwischen Lehrkräften und Schulsozialarbeit in Deutschland generell eher als schwach ausgeprägt (vgl. Massenkeil & Rothland, 2016; Speck & Jensen, 2014). Vor diesem Hintergrund wer-den in der inklusiven Bildung beispielsweise mangelnde zeitliche und räumliche Ressourcen, fehlende Abstimmungspro-zesse über gemeinsame Ziele und Aufgabenverteilungen sowie die Schwierigkeit der Vereinbarkeit von Teamarbeit und autonomem Handeln als Herausforderungen aufgeführt (vgl. Beck & Maykus, 2016; Gebhard et al., 2014; Neumann, 2019, UNESCO, 2020). Die Kooperationen mit weiteren Partnern wie Universitäten und außerschulischen Bildungsein-richtungen stehen vor ähnlichen Anforderungen (vgl. z.B. Kleemann, Jennek & Vock, 2019; Arnoldt & Züchner, 2020).

Sowohl zur Kooperation von Lehrkräften verschiedener Professionen als auch zur Kooperation in interdisziplinären Teams (z. B. mit Schulsozialarbeit oder therapeutischen Professionen) liegen national vergleichsweise wenige For-schungsarbeiten vor (vgl. Neumann et al., 2021; Vierbuchen & Bartels, 2021). Dies betrifft auch die Entwicklung von Modellen der Kooperation sowie die wissenschaftliche Begleitung der Implementation. Zum Beispiel sind auch die inter-national als wirksam geltenden interdisziplinär angelegten Problemlöseteams (vgl. Newton et al., 2014) in Deutschland bislang kaum adaptiert (vgl. Huber, 2015), implementiert und evaluiert, obwohl gerade die interdisziplinäre Kooperation das Potenzial zu haben scheint, insbesondere hochbelastete Kinder und Jugendliche im inklusiven Kontext erfolgreich zu unterstützen (vgl. Weihrauch & Wittrock, 2021). Ein Blick auf andere Bildungssysteme kann die Stärken und Schwä-chen der nationalen Praktiken genauer ausleuchten, wichtige Anregungen für die kooperative Implementation inklusiver Bildung und die Weiterentwicklung der lokalen, regionalen und nationalen Strukturen geben (vgl. Speck & Jensen, 2014; Weihrauch & Wittrock, 2021).

 

k:ONzepte – Lehrer*innenbildung in der Forschung

Was sind die historischen, kulturellen, wirtschaftlichen, politi-schen sowie sprachlichen oder digitalen Faktoren, die die Entwicklung und die Ergebnisse der inklusiven Bildung beein-flussen? Welches Professionsverständnis bringen die unterschiedlichen Disziplinen in inklusive Bildungsprozesse ein und inwiefern können diese Professionen und deren Expertisen für Kinder und Jugendliche nützlich sein? Wie wirkt eine kooperative Implementation inklusiver Bildung?

k:ONkretes – Praxis der Lehrer*innenbildung

Wie kann die Kooperation in interdisziplinären Teams im Kontext
(hoch)schulischer Bildung realisiert werden? Welche rechtlichen und strukturellen Gelingensbedingungen sind not-wendig, um interdisziplinäre Teamarbeit zu ermöglichen? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus in Bezug auf die Teilhabe an der Gesellschaft?

k:ONtraste – Lehrer*innenbildung in der Diskussion

Welche Modelle der Teamarbeit aus dem internationalen Kon-text bieten Anknüpfungspunkte für den deutschen schulischen Kontext? Was sind die beabsichtigten und tatsächlichen Ergebnisse der kooperativen Implementation inklusiver Bildung? Was könnten kritische Aspekte von Kooperationen sein und wie kann diesen begegnet werden?

Themenunabhängiger Call for Papers für den Bereich k:ONturen – Nachwuchsforum

Eine Besonderheit von k:ON stellt der thematisch offene Bereich des Nachwuchsforums dar. In diesem Teil der Zeit-schrift können ausgewählte, herausragende Abschlussarbeiten von Studierenden auf B.A.- und M.Ed.-Niveau sowie Studienprojekte aus dem Praxissemester in Artikelform veröffentlicht werden. Abstracts (ebenfalls max. 250 Wörter) für diesen Bereich können jederzeit bei uns eingereicht werden.

Einreichungen aus allen Bildungsebenen und Disziplinen sind willkommen.
Bitte senden Sie uns Ihr maximal 250 Wörter langes Abstract (exkl. Literaturangaben) bis zum 21.07.2021 an kON-Journal[at]uni-koeln.de und ordnen Sie es einem der k:ON-Bereiche zu. Für weitere Informationen besuchen Sie auch unsere Website: www.kon-journal.de

Wir freuen uns auf Ihre Beiträge!

 

Vorläufige Zeitplanung:

Literatur:

Arnoldt B., Züchner I. (2020) Kooperationsbeziehungen von Ganztagsschulen mit außerschulischen Trägern. In P. Bollweg, J. Buchna, T. Coelen, & H. Otto (Hrsg.), Handbuch Ganztagsbildung (S. 1085-1098). Springer VS.

Beck, A. & Maykus, S. (2016). Lehrerkooperation an inklusiven Grundschulen unter dem Gesichtspunkt der Interprofessionalität. Empirische Befunde zu Bewertung und Erfahrung schulinterner Zusammenarbeit. In G. Hensen, B. Küstermann, S. Maykus, A. Riecken, H. Schinnenburg & S. Wiedebusch (Hrsg.), Inklusion in Kindertagesstätten und Grundschulen. Empirische Befunde und Implikationen für die Praxis (S. 146-172). Beltz.

Gebhard, S., Happe, C., Paape, M., Riestenplatt, J., Vägler, A., Wollenweber, K-U. & Castello, A. (2014). Merkmale und Bewertung der Kooperation von Sonderpädagogen und Regelschullehrkräften in inklusiven Settings. Empirische Sonderpädagogik, 6 (1), 17-32.

Huber, C. (2015). Verhaltensprobleme gemeinsam lösen! Wie sich multiprofessionelle Teams nach dem RTI-Modell effektiv organisieren lassen. Lernen und Lernstörungen, 4 (4), 283-291.

Kleemann, K., Jennek, J. & Vock, M. (Hrsg.) (2019). Kooperation von Universität und Schulen fördern. Schulen stärken, Lehrerbildung verbessern. Verlag Barbara Budrich.

Lütje-Klose, B., Neumann, P., Gorges, J. & Wild, E. (2018). Die Bielefelder Längsschnittstudie zum Lernen in inklusiven und exklusiven Förderarrangements (BiLieF) – Zentrale Befunde. DDS – Die Deutsche Schule, 110 (2), 109-123.

Massenkeil, J. & Rothland, M. (2016). Kollegiale Kooperation im Lehrerberuf. Überblick und Systematisierung aktueller Forschung. Schulpädagogik heute, 7 (13), 1-28.

McLeskey, J., Waldron, N. L., Spooner, F. & Algozzine, B. (2014). What are effective inclusive schools and why are they important? In J. McLeskey, N. L. Waldron, F. Spooner & B. Algozzine (Hrsg.), Handbook of effective inclusive schools: Research and practice (S. 3-16). Routledge.

Newton, J. S., Todd, A. W., Algozzine, B., Algozzine, K., Horner, R. H. & Cusumano, D. L. (2014). Supporting team problem solving in inclusive schools. In J. McLeskey, N. L. Waldron, F. Spooner & B. Algozzine (Hrsg.), Handbook of effective inclusive schools: Research and practice (S. 275-291). Routledge.

Neumann, P. (2019). Kooperation selbst bestimmt? Interdisziplinäre Kooperation und Zielkonflikte in inklusiven Grundschulen und Förderschulen. Waxmann.

Neumann, P., Grüter, S., Eckel, L., Lütje-Klose, B., Wild, E. & Gorges, J. (2021). Aufgaben und Zuständigkeiten von allgemeinen und sonderpädagogischen Lehrkräften sowie Fachkräften der Schulsozialarbeit in inklusiven Schulen der Sekundarstufe I. Erste Ergebnisse aus dem BiFoKi-Projekt. Zeitschrift für Heil-pädagogik, 72 (4), 164-177.

Speck, K. & Jensen, S. (2014). Kooperation von Jugendhilfe und Schule im Bildungswesen. Ein vergleichender Blick mit Fokus auf die Schulsozialarbeit in Deutschland, den USA und Schweden. DDS – Die Deutsche Schule, 106 (1), 9-29.

UNESCO. (2020). Global Education Monitoring Report 2020: Inclusion and education: All means all. UNESCO.

Vierbuchen, M.-C. & Bartels, F. (2021). Die Inklusive Schule. In H. Ricking, T. Bolz, B. Rieß & M. Wittrock (Hrsg.), Prävention und Intervention bei Verhaltensstörungen. Gestufte Hilfen in der schulischen Inklusion (S. 49-58). Kohlhammer.

Weihrauch, T. & Wittrock, M. (2021). Kooperation in multiprofessionellen Settings. In H. Ricking, T. Bolz, B. Rieß & M. Wittrock (Hrsg.), Prävention und Intervention bei Verhaltensstörungen. Gestufte Hilfen in der schulischen Inklusion (S. 205-217). Kohlhammer.