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(VOLL) Workshop 4: Gesprächsanalytische Unterrichtsforschung als Möglichkeit einer kasuistischen Lehrer*innenbildung

Maxi Kupetz (Universität Halle-Wittenberg)

Gesprächsanalytische Unterrichtsforschung erlaubt einen methodisch fundierten ‘Blick ins Klassenzimmer’. Sie stellt eine Möglichkeit der kasuistischen Lehrer*innenbildung dar, wenn analysierte Fälle als „Referenzbeispiele zur Simulation praktischer Erfahrungskrisen beim Lehrerhandeln“ (Alexi/Heinzel/Marini 2014: 230) dienen. Das Potential gesprächsanalytischer Untersuchungen in konversationsanalytischer Tradition für die Lehrer*innenbildung wurde bereits aufgezeigt (vgl. z.B. Kupetz 2011; Seedhouse 2005): Der Ansatz bietet die Möglichkeit, das Unterrichtsgeschehen in seinem sequentiellen Verlauf systematisch zu beschreiben. Sprache, aber auch Multimodales wie Gestik, Blickverhalten und der Umgang mit Objekten, sind Ressourcen eines ständigen Aushandlungsprozesses von (gegenseitigem) Verstehen. Lernen wird hier als interaktives Geschehen und damit als an der Interaktionsoberfläche potentiell beobachtbares Phänomen konzeptualisiert (vgl. z.B. Kern 2014). Die detaillierte gesprächsanalytische Vorgehensweise (Deppermann 2008) ermöglicht es unter anderem, Verwendungsweisen von Alltagssprache, Fachsprache, Bildungssprache, Zweitoder Fremdsprache im Unterrichtsgeschehen genauer zu ergründen und in einem zweiten Schritt angehende Lehrer*innen auf sprach(en)sensiblen Unterricht vorzubereiten. 

Der Workshop richtet sich an Teilnehmer*innen mit wenig oder gar keiner Erfahrung im Bereich Gesprächsanalyse. Im Rahmen des Workshops werden einige Grundannahmen der Konstitution sozialer Interaktion vorgestellt und Grundlagen gesprächsanalytischen Arbeitens eingeführt (Erhebung natürlicher Daten, Transkription, analytisch-methodische Prämissen etc.). Anhand ausgewählter Ausschnitte werden kleine Sequenzanalysen erstellt. Aus diesen ‚Fällen’ sollen anschließend Handlungsoptionen für professionelles Lehrer*innenhandeln abgeleitet werden, z.B. Umgang mit Code-Switching, Rückmeldeverhalten, Umgang mit ‚critical incidents’. In einer kurzen Abschlussrunde sollen die Chancen dieser Vorgehensweise für die Lehrer*innenbildung, aber auch die Grenzen und mögliche ergänzende Vorgehensweisen zusammengetragen werden.

 

Hier können Sie sich zur Tagung und zum Workshop anmelden. (VOLL! Bitte anderen Workshop wählen.)